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Physikalische Medialität
Physikalische Medialität: Experimente mit Gary Mannion, Techniken, Ergebnisse
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Von Januar 2019 bis Mai 2019 hatte ich die Gelegenheit, in vier Serien mit insgesamt über 50 experimentellen Séancen mit Gary Mannion verschiedene Tests und Messungen durchzuführen. Die Idee für diese Experimente entstand bei einem Treffen mit Inge Crosson im September 2017 in Basel. Sie leitet das Wallacia Development Centre, Australien, hat dorthin verschiedene Medien eingeladen und zahlreiche physikalische Séancen organisiert. Sie leitet Garys 'Home Circle' und unterstützt ihn seit vielen Jahren. Im Januar 2018 fanden zehn Tage mit Test-Séancen mit Gary in Wallacia statt. Aufgrund der interessanten Ergebnisse wurde beschlossen, weitere Experimente durchzuführen, welche im Parsonage Side Retreat, Bridgwater, Somerset, UK, im September 2018, Februar 2019 and Mai 2019 stattfanden.

Mit Hilfe verschiedener technischer Geräte sammelte ich Daten über die Phänomene in Garys Séancen. Einen Teil der bisherigen Ergebnisse habe ich detailliert in einem englischsprachigen wissenschaftlichen Bericht (29-seitiges Pdf-Dokument) dargestellt, wobei auch auf die eingesetzte Technik und das Vorgehen eingegangen wird. Ein Fokus liegt auf Messungen mit Bewegungssensoren und entsprechenden interessanten Phänomenen. Einige der Ergebnisse stellen meiner Meinung nach die konventionellen Erklärungen von Betrug und Trickserei deutlich in Frage. Aber auch für Leser, welche überzeugt sind, dass Gary ein Betrüger ist, sollte der Bericht interessant sein, um entsprechende Hypothesen zu überprüfen, wie er die Phänomene möglicherweise vorgetäuscht haben könnte. Darüber hinaus hoffe ich, mit dem Bericht neue Wege für die Untersuchung der physikalischen Medialität aufzeigen zu können.


Da der Bericht sehr detailliert und wissenschaftlich gehalten ist, hier einige einführende Informationen.
Einführung und Hintergründe zu den Experimenten mit Gary Mannion
Im Vorfeld war nicht klar, welche Tests möglich sein würden. Insofern packte ich einfach alles ein, was in früheren Experimenten hilfreich war, und bastelte an Sensoren, mit denen sich möglicherweise ganz neue Versuche ergeben könnten. So kam eine Liste zusammen, die sich im Nachhinein noch etwas verlängerte und heute meinen persönlichen "Séance-Forschungswerkzeugkasten" darstellt:
  • Audiorekorder, um die Séance vollständig mitzuschneiden und eine Referenz für den zeitlichen Ablauf zu haben + separate Mikrofone (welche teilweise sogar im Kabinett platziert werden konnten) + Auswertesoftware für die Audiolokalisierung
  • Videokamera, die zusätzlich über eine Infrarot-Funktion verfügt
  • Wärmebildkamera, die dank einer selbstgebastelten Kleincomputerbox bei völliger Dunkelheit genutzt werden kann
  • Eine Reihe von Mini-Sensoren, die batteriebetrieben verschiedene Messwerte aufnehmen und lokal auf SD-Karte speichern, wie etwa Bewegungen des Mediums, Umgebungsparameter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Beleuchtungsstärke und auch Körperfunktionen wie die Herzfrequenz oder das Körpergewicht
Die Experimente wurden mit Garys Trance-Persönlichkeit und Haupkommunikator 'Jimmy' diskutiert, welcher sich wie eine echte Person gibt und regelmäßig ein im Hintergrund arbeitendes 'Team' erwähnt mit angeblich größerem Einblick. Natürlich gibt es verschiedene Interpretationen hinsichtlich der wahren Natur solcher Kommunikatoren, etwa dass es sich um eine dissoziierte Teilpersönlichkeit des Mediums handelt, um ein echtes verstorbenes Wesen oder schlichtweg um eine betrügerisch vorgetäuschte Stimme. Im Rahmen der hier vorgestellten Experimente erfolgte die Konversation wie mit einer realen Person, gegenseitiges Vertrauen und Kooperation wurden als wichtige Voraussetzung für die Untersuchungen gesehen. Allerdings ist die Authentizität solcher Trance-Persönlichkeiten nicht Gegenstand dieser Forschung und auch nicht entscheidend für die Bewertung der Ergebnisse, da deren Fokus ausschließlich auf den physikalischen Phänomenen liegt.

'Jimmy' und sein 'Team' äußerten ihre eigenen Pläne, was die Veröffentlichung der Ergebnissse angeht. Sie gaben Anweisungen, was in welcher Weise veröffentlicht werden darf, und widersprachen damit zugleich Garys offensichtlichem Interesse, positive Ergebnisse möglichst schnell publik zu machen. Erst im März 2019 gab es die Freigabe für eine teilweise Veröffentlichung, die im Mai 2019 etwas erweitert wurde. Daher sind viele interessante Daten noch nicht im Bericht verarbeitet, wie etwa Phänomene im Zusammenhang mit dem Erscheinen von Ektoplasma.
Beispielergebnisse
Die vorgestellten Ergebnisse konzentrieren sich auf physikalische Phänomene, insbesondere Kabinettbewegungen, während Gary (zusätzlich zur Fesselung am Stuhl) durch Bewegungssensoren überwacht wurde, welche oft über den gesamten Séanceverlaufs sehr ruhig blieben, währenddessen Phänomene beobachtet oder sogar auf Video aufgezeichnet werden konnten. Im Gegensatz zu anderen Kontrolltechniken würde auch die heimliche Entfernung der Sensoren in den Daten sichtbar werden, wie auch andere Bewegungen. So wurde etwa während einiger Séancen ein interessantes Zittern mit ungewöhnlich hoher Frequenz beobachtet.

Der Verlauf der Séancen (unten vom 15.2.2019) wird entlang einer Zeitachse (Minuten in x-Richtung) dargestellt, wobei Ereignisse und Bedingungen als Balken eingetragen sind. Die Daten der Bewegungssensoren sind jeweils zweigeteilt. Die kleineren oberen Graphen zeigen Beschleunigung und Winkelgeschwindigkeit als allgemeines Maß der Bewegungsintensität und darunter ist die 3D-Orientierung im Raum anhand dreier Winkel dargestellt:


Unten ist ein Auszug aus Videoaufnahmen zweier Séancen zu sehen (30.1.2018 und 15.2.2019). Im ersten Teil drehte sich das Kabinett (ein Camping-Duschzelt) schließlich mit hoher Geschwindigkeit mit drei vollen Umdrehungen in sechs Sekunden, während der Bewegungssensor des linken Arms ruhig blieb und gelegentlich auch die Füße unbewegt an ihrer Ausgangsposition zu sehen waren. Ich habe versucht, derartige Kabinettbewegungen mit beiden Händen, mich frei im Kabinett bewegend, nachzuahmen. Allerdings waren die Bewegungen weniger gleichmäßig und deutlich langsamer, wobei das Kabinett zwischendurch immer wieder fast anhielt, wenn ich mit den Händen umgreifen musste. Obendrein zeigte der Sensor an meinem Arm bei diesen Versuchen natürlich sehr starke Ausschläge.

Der zweite Teil des Videos ist in der oben im Diagramm dargestellten Séance (15.2.2019) aufgenommen worden. Ungefähr zur Minute 21 waren laute Geräusche von Garys Stuhl zu hören, etwas später zeigte sich, dass Gary und sein Stuhl um 90 Grad nach links gedreht waren. Zuvor hatten die Sensoren synchrone, identische Bewegungen aufgezeichnet, möglicherweise ein Indiz, dass Gary nicht aktiv seine Hände nutzte, sondern insgesamt bewegt wurde. Zur Minute 22 bewegte sich das Kabinett, währenddessen die Sensoren ruhig blieben. Schließlich war fast der gesamte Körper zu sehen mit den Kabelbinderfesseln und Sensoren am ursprünglichen Platz. Im Kabinett war übrigens nichts, das hätte helfen können, den glatten, synthetischen Stoff (z.B. mit dem Mund) zu greifen.


Weitere Experimente, Séance-Daten und umfangreiche technischen Details finden sich im Bericht:

Ausblick
Die Experimente mit Gary Mannion werden fortgesetzt. Es gab bereits eine weitere Testwoche im September 2019, welche nicht in den Bericht eingeflossen ist. Weitere Tests sind für 2020 geplant. Ich hoffe, die Ergebnisse sind ein Beitrag für fruchtbare Diskussionen über die physikalische Medialität und zugleich eine Erinnerung, dass die einfachen Antworten ('diese oder jene Person ist ein Betrüger und ich mache mir nicht einmal die Mühe, die Daten anzuschauen') nicht unbedingt die besten Antworten sind, um derartige Phänomene besser zu verstehen.

Ich freue mich über Fragen oder Kommentare. Falls andere Medien oder Zirkel an ähnlichen Experimenten interessiert sind, gebe ich gerne Tipps und Informationen. Zugleich habe ich auch volles Verständnis dafür, wenn Medien derartige Tests grundsätzlich ablehnen, denn die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass selbst sehr strenge, überzeugende Tests letztlich niemals dazu führten, dass Medien (und Medialität ganz allgemein) nicht doch pauschal als Betrug abgetan wurden. Wissenschaft alleine wird da wohl zu keiner Veränderung führen, solange der menschliche Verstand nicht nur von Beobachtungen und Argumenten geleitet wird, sondern durch persönliche Glaubenssätze, Dogmen oder sogar egoistische Interessen. Ich hoffe jedenfalls, dass immer mehr Menschen auf die physikalische Medialität neugierig werden, und zwar mit offenem Bewusstsein und ohne voreilige Schlüsse zu ziehen, auf dass wir alle mehr über dieses sich weiter entwickelnde faszinierende Thema lernen.